Barhufpflege und Huforthopädie
 
 
 

Was bedeutet Barhufpflege ?

Unter Barhufpflege versteht man: die regelmäßige Bearbeitung der einzelnen Teile der Hornkapsel zum Ausgleich des durch die individuelle Stellung und das Laufverhalten des Pferdes bedingten Abriebs des Hornschuhs. Die Bearbeitung strebt eine gleichmäßige Lastverteilung der einzelnen Hornkapsel, eine plane Fußung und ein Passen des Hufes zum Fesselstand an.

Ziel ist die Nutzung des Pferdes unter den gegebenen Bedingungen ohne Hufschutz bzw. lediglich unter Zuhilfenahme eines temporären Hufschutzes.


Was bedeutet Huforthopädie ?

Unter Huforthopädie versteht man: Korrekturmaßnahmen am Huf, um eine Anpassung an den Fesselstand, eine gleichmäßige Lastverteilung oder eine plane Fußung zu erreichen. Damit wird krankhaften Veränderungen an den Gliedmaßen vorgebeugt bzw. bereits bestehende Lahmheitszustände gelindert oder die Heilung der Krankheiten gefördert. Huforthopädische Maßnahmen bei einem bestehenden Krankheitsbild sind immer in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt durchzuführen und werden dann in der Regel von weiteren tierärztlichen Maßnahmen begleitet.

Huforthopädische Maßnahmen werden in der Regel immer in Zusammenhang mit einem Spezialbeschlag gesehen, z.B. Rehe- oder Hufrollenbeschlag. Dabei kommen Spezialbeschläge und verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen: z.B. Keile,Einlagesohlen oder Silikonpolster.

Eine korrekt ausgeführte Barhufpflege ist bereits eine orthopädische Maßnahme am Huf, wenn die Hornkapsel entsprechend den Kriterien „Fesselstand“ und „Fußung“ bearbeitet wird. Auch bei krankhaften Veränderungen im Bereich der Gliedmaße kann durch entsprechende Barhufpflege eine Besserung des Zustandes erreicht werden.
Beim orthopädischen Beschlag ist das Zurichten zum Beschlag die grundlegende Arbeit und legt den Grundstein für eine erfolgreiche Korrektur durch den Beschlag.


Der Fesselstand

Bekannt ist die Regel „Der Huf wird zum Fesselstand passend gemacht!“. Das bedeutet, dass die Hufe von vorne und von der Seite gesehen, zur Mittellinie durch die drei unteren Gelenke und Knochen passen.
Von der Seite gesehen passt der Huf zum Fesselstand, wenn die Fessellinie mit der Zehenlinie parallel verläuft. Bei dieser Stellung zeigt die Zehenachse keine Brechung im Huf- oder Krongelenk. Von vorne gesehen passt der Huf dann zum Fesselstand, wenn die verlängerte Halbierungslinie der Fessel die Mitte der vorderen Hufwand trifft. Von hinten fällt die Linie in die Mitte der Ballengrube.
Kronrand und Fessellinie stehen beim Passen des Fesselstandes senkrecht aufeinander.

Das ist die Idealvorstellung, die im Alltag sehr schnell an ihre Grenzen stößt. Besonders bei der Betrachtung der Gliedmaße von vorne bzw. hinten trifft man häufig auf Abweichungen von der idealen Stellung und dadurch auf Knicke in der Zehenachse. So ist bei der zehenweiten Stellung die Zehenachse nach außen abgeknickt. Oft wird man durch die Bearbeitung der Hufe das Passen zum Fesselstand nicht erreichen können. Das ist auch nicht immer sinnvoll, besonders beim ausgewachsenen Pferd, wo sich Gelenke und der Sehnen- und Bandapparat an diese Stellung angepasst haben. In solchen Fällen arbeitet der Hufexperte vorsichtig in Richtung der ‚idealen Stellung’.

Das Anpassen des Hufes an den Fesselstand von der Seite gesehen, ist meistens besser zu realisieren und für den Bewegungsablauf von besonderer Bedeutung. Ist der Huf zu spitz, ist die Abrollbewegung erschwert, das Hufgelenk wird überstreckt – ist der Huf steiler als der Fesselstand, erfolgt eine Beugung im Hufgelenk. Eine korrekte Bearbeitung ist hier also von entscheidender Bedeutung. Oft ist die Beurteilung am Pferd nicht leicht. Hier kann dem Hufbearbeiter das Messen des Winkels der Zehenwand weiterhelfen: für die Vorderhufe sind 52° bis 56°, für die Hinterhufe 54° bis 58° gute Werte.

Ein Nichtpassen des Hufes zum Fesselstand bewirkt, dass Teile der Hufkapsel mehr, andere weniger belastet sind. Das ist äußerlich am Huf erkennbar: der Huf wird asymmetrisch! Stärker belastete Bereiche der Hornkapsel sind daran erkennbar, dass die Hufwand hier steiler ist. Die unbelastete Hornwand wächst schräg davon und ist oft länger als die steile Wand.

Weitere sichtbare Zeichen für Asymmetrien sind ungleich hohe Trachten- und Ballenbereiche oder ein Verlauf des Kronrandes, der nicht parallel zur Bodenfläche ist. Durch die Hufbearbeitung sucht der Hufexperte, eine größere Symmetrie und damit eine bessere und gleichmäßige Belastung aller Teile der Hornkapsel zu erreichen.


Die plane Fußung

Bei der planen Fußung berührt der gesamte Tragerand des Hufes den Boden gleichzeitig und zwar bei Betrachtung von vorne, von hinten und von der Seite! Diese Art der Fußung wird angestrebt und gilt als die physiologische Form, wobei auch eine geringe Trachtenfußung (mit dem Auge kaum erkennbar!) als physiologisch angesehen wird.

Eine deutliche Trachtenfußung ( Trachte zuerst am Boden, sichtbares „Nachklappen“ der Zehe) und eine Zehenfußung (Zehenbereich zuerst am Boden) deuten auf krankhafte Veränderungen hin und müssen eingehender untersucht werden.
Eine Seitenfußung (Fußen auf der inneren oder äußeren Seite des Hufes) kann auch auf eine Erkrankung der Gliedmaße hindeuten. Manche Stellungen und Gangbilder bedingen jedoch auch mehr oder weniger starke Seitenfußungen. So bedingt eine stark bodenengen
Stellung, bei der die Gliedmaße im Bogen nach innen geführt wird, ein Fußen auf der äußeren Hufseite.
Es ist klar, dass ein möglichst gleichmäßiges Aufkommen aller Bereiche der Hornkapsel die Belastung beim Aufprall am besten auffängt.


Die Zehen - und Trachtenlinie

Neben der Einhaltung des Fesselstandes sind zwei weitere Orientierungslinien bei der Hufbearbeitung wichtig. Die Zehenlinie ist die vordere Begrenzungslinie der Zehenwand. Sie läuft im Idealfall parallel zur Fessellinie.
Die Trachtenlinie stellt die hintere Begrenzungslinie der Trachten dar. Sie läuft im Idealfall ebenfalls parallel zur Fessellinie!

Das bedeutet für die praktische Arbeit am Huf, dass wir drei Orientierungslinien am Huf und an der Zehe haben, die uns bei der Arbeit helfen. Im Idealfall sind alle miteinander parallel und in diese Richtung bearbeiten wir den Huf.
Gerade, wenn Zehen- und Trachtenlinie nicht parallel sind, zeigt das Probleme in der Statik bzw. oft bedeutsame Erkrankungen der Gliedmaße. So zeigt eine gegenüber der Zehenlinie flachere Trachtenlinie Probleme im Trachtenbereich, z.B. untergeschobene Trachten, an. Eine flachere Zehenlinie zeigt sich dagegen z.B. bei der Hufreheerkrankung.


Die Hufform

Die Gleichmäßigkeit und Symmetrie der Hufkapsel gibt Aufschluss über die Stellung und das Gangverhalten der Gliedmaße.

Je gleichmäßiger die Hufkapsel bei Betrachtung von außen und von unten, je symmetrischer die Anordnung aller Bereiche des Hufes, umso besser ist die Lastverteilung. Kein Teil der Hufkapsel ist überlastet, was Erkrankungen der Gliedmaße vorbeugt. Deutliche Ungleichmäßigkeiten sind unterschiedlich steile Wandbereiche, Vorwölbungen, Knicke oder Spalten in der Hornwand, untergeschobene oder eingerollte Trachtenwände.
Weniger auffällig sind Unregelmäßigkeiten der weißen Linie, des Strahls oder der Eckstreben.

Ziel der Bearbeitung ist eine verbesserte Gleichmäßigkeit und Symmetrie. Weiter wird man durch geeignete Maßnahmen versuchen, diesen Zustand auf Dauer zu erreichen.
Denn es ist nicht sinnvoll, diese verbesserte Hufform nur für eine kurze Zeit zu verwirklichen. Hier hat sich besonders die Bearbeitung der Hufwand von außen mit der Hufraspel als wirksames Mittel erwiesen. Wandbereiche, die flacher und dicker sind, werden dadurch dünner und steiler. Die Verteilung der Belastung wird sofort verbessert, durch die Verringerung der Auflagefläche auf der weiteren Seite, erhöht sich der Abrieb hier und der Huf kommt mehr ins Gleichgewicht!          Bei Wandabschnitten mit Vorwölbungen erreicht man eine Streckung der Hornwand, die auch ein gleichmäßigeres nachschieben des neugebildeten Hufhorns bewirkt.


Maßnahmen

Eine korrekt ausgeführte Barhufpflege beachtet die besprochenen Punkte und kann daher bei der orthopädischen Behandlung vieler Hufprobleme eingesetzt werden. Wichtig ist dabei die Einhaltung fester Pflegeintervalle – der Abstand zwischen zwei Barhufpflegebehandlungen ist anfangs oft kurz zwischen 4 – 6 Wochen, später reichen in der Regel 6 – 8 Wochen.
Natürlich wird dadurch ein sachgemäß angebrachter orthopädischer
Hufschutz nicht überflüssig, aber in vielen
ällen könnte darauf verzichtet werden.